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Angaben von einer Psychoanalytikerin: Der «Struwwelpeter» ist ungeeignet für Kleinkinder

Als positives Gegenbeispiel nannte die Forscherin «Wo die wilden Kerle wohnen»

Das bekannte Buch von Heinrich Hoffmann «Struwwelpeter» ist nach der Auffassung der Psychoanalytikerin Frau Marianne Leuzinger-Bohleber eine ungeeignete Lektüre für die Kleinkinder. Sie ist jedoch «voller Bewunderung über Hoffmanns historische Leistung, so in die Ängste und Fantasien von Kindern einfühlen zu können», erklärte die Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts in dem ddp-Interview. Was die Ansicht der Erziehung angeht, ist das weltweit bekannte Kinderbuch «geprägt von einer Historie und von schwarzer Pädagogik». Der «Struwwelpeter»-Schöpfer kam an dem 13. Juni in dem Jahre 1809 auf die Welt, also wäre dies an dem kommenden Freitag vor haargenau 200 Jahren.

Diesen Kinderbuch mit den «lustigen Geschichten und den auch drolligen Bildern für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren», wie es weiter in dem Untertitel heißt, ist  für die Kinder dieser Altersgruppe nicht gerade ratsam, findet Frau Leuzinger-Bohleber. Die älteren Kinder sowie jugendliche erfassten die Überzeichnung in den Text und Bild. «Die Kleinkinder jedoch erreichen die Darstellung des brennenden Paulinchens oder von dem kleinen Konrad, dem die Daumen abgeschnitten werden, sicherlich unbewusst. Sie können in dem Alter das noch nicht verarbeiten», unterstrich die Psychoanalytikerin.

Die Autoritären Pädagogen haben sich in dem 19. Jahrhundert oder während des Ersten Weltkriegs Heinrich Hoffmanns Darstellung der kindlichen Urängste zunutze gemacht, um die Kinder gleichzeitig auf die Arbeit in den Fabriken oder den Soldatendrill schon vorzubereiten, berichtete Frau Leuzinger-Bohleber. «Anstatt die Kinder mit Liebe Grenzen zu setzen, hat man ihnen stattdessen Angst gemacht. Wenn aber ein Kind terrorisiert wird, dann kann es auch nicht lernen.» Als ein positives Gegenbeispiel zu dem «Struwwelpeter» nannte die Forscherin unter anderem «Wo die wilden Kerle wohnen» von Maurice Sendak. Während bei Heinrich Hoffmann die Erwachsenen «alle nur kalt oder sogar abwesend» seien, finde der Junge bei Maurice Sendak nach seinem Abenteuer noch eine warme Suppe vor.

Die Psychoanalytikerin unterstellt Heinrich Hoffmann weiter selbst keinen richtigen Hang zu der «schwarzen Pädagogik» zu haben. Er ist sicherlich «ein lustiger Vogel» gewesen und habe seine eigenen Kinder liebevoll erzogen. Hinter dem Buch «Struwwelpeter» vermutet Frau Leuzinger-Bohler «eine unwillkürliche Gestaltung von Kinderängsten». Als Kinderarzt habe er letztendlich wissen müssen, dass die Drastik Kinder fesseln würde. (ddp/shu)

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