News vom

Anpassungen an Gesundheitsreform sollen Fehldiagnosen unterbinden

krankenkassenDas Bundesversicherungsamt will Änderungen am Gesundheitsfonds durchsetzen womit Fehldiagnosen unterbunden werden sollen. Keine offizielle Bestätigung für entsprechende Pläne.

Wie aus Medienberichten hervorgeht will das Bundesversicherungsamt (BVA) grundsätzliche Änderungen am Gesundheitsfonds durchsetzten. Damit soll die Möglichkeit unterbunden werden, Patientenbefunde zu manipulieren. Diese Gefahr wird derzeit sehr stark gesehen, da kranke Versicherte in der aktuellen Form des Gesundheitsfonds für die Krankenkassen lukrativer sind als gesunde.

Seitens des BVA gab es am Donnerstag keine klare Aussage zu diesem Thema. Auf ddp-Anfrage sagte Sprecher Theo Eberenz in Bonn, dass die Behörde alles tun wolle, damit keine Daten für den Fonds genutzt werden können, „die unter Verstoß gegen Gesetzesbestimmungen zusammengetragen wurden“. Näher Angaben zu den Plänen der BVA machte er nicht. Auch seitens des Bundesgesundheitsministeriums gab es keine klare Aussage zu diesem Thema.

Besondere Zuschläge für bestimmte Erkrankungen

Im Zuge der Einführung des Gesundheitsfonds wurde die Finanzausschüttung der Krankenversicherer geändert. Seit Januar 2009 gilt nun folgendes: Je kränker ein Versicherungsnehmer ist, desto mehr Geld wird an die entsprechende Kasse ausgezahlt. Die Kassen bekommen für 80 ausgewählte Krankheiten besondere Zuschläge. Hierbei handelt es sich um chronische oder besonders kostspielige Erkrankungen. Um die Krankheiten einordnen zu können, müssen Ärzte bei jeder Diagnose einen speziellen Code angeben.

Diese Neuregelung hat dazu geführt, dass es zu einem „Rennen“ um kranke Patienten gekommen ist. Einige Kassen sollen Ärzte gegen eine Prämie sogar dazu aufgefordert haben, ihre Codierung nochmals zu überprüfen. Kritiker sehen dies als einen Versuch, Mediziner zu „schmieren“.

Wie aus einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hervorgeht, plant die BVA die Rolle der Ärzte bei der Berechnung der Krankenkassen-Zuweisungen einzuschränken, damit solche Einflussnahme durch die Mediziner in Zukunft ausgeschlossen werden können. In Zukunft sollen die verordneten Medikamente den Ausschlag für die Zahlungen an die Kassen geben und nicht mehr die Diagnose des Arztes.

Gefahr für die Patienten

Der SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach sieht die Gefahr, dass die diskutierte Praxis der Kassen zu gravierenden gesundheitlichen Schäden bei den Patienten führen kann. „Damit wird den Menschen womöglich ernsthafter Schaden zugefügt“, so seine Befürchtung. Sollte ein Patient beispielsweise von einem Arzt aufgrund von leichten Stimmungsschwankungen als depressiv eingestuft werden, so könne er von einem anderen Mediziner im schlimmsten Fall ein falsches Medikament erhalten.

Einige Hausärzte haben unterdessen eigene Möglichkeiten gefunden, den Druck der Kassen zu umgehen. „Wir codieren, wie wir das immer gemacht haben“, stellte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Dirk Mecking fest. Die Kassen fordern die Mediziner zu einer extrem detaillierten Codierung auf, um ihre Zuschläge aus dem Gesundheitsfonds zu erhalten. Für die Ärzte sei dies im Praxisalltag allerdings nicht notwendig und nur ein „riesiger bürokratischer Aufwand“.

Diese zusätzliche Diagnostik sei für die Ärzte nicht vorgeschrieben, machte Mecking deutlich. Daher bleibe man bei dem alten Codierungsverfahren und überlasse das Problem den Krankenkassen. (ddp/fm/dtn)

Anzeige:




Ähnliche Nachrichten:

    keine ähnlichen Beiträge gefunden