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News vom 20. Juli 2009

30 000 Zuschauer verfolgen 35. Duhner Wattrennen – Veranstaltung zum ersten Mal im Weltnaturerbe
Volker Riediger ist aufgeregt. Für ihn und seine sechsjährige Stute «Uschi» steht heute eine Premiere an. Sie werden zum ersten Mal zusammen ein Galopprennen auf Meeresgrund laufen. «Das ist alles ganz neu für mich. Ich weiß noch gar nicht, ob mein Pferd überhaupt auf das matschige Watt gehen will», meint Riediger etwas nervös. Der Berliner nimmt beim 35. Duhner Wattrennen teil. Am Sonntag waren dafür rund 30 000 Zuschauern nach Cuxhaven gekommen.
Es ist auf der ganzen Welt das einzige Rennen, das auf dem Meeresgrund stattfindet. Und in diesem Jahr gab es bei dem Rennen sogar eine weitere Premiere: Zum ersten Mal fand es im Weltnaturerbe Wattenmeer statt, nachdem vor etwa einem Monat die UNESCO diesen Titel dem Nationalpark verliehen hat.
Bei dem Rennen kämpfen jede halbe Stunde Galopper und Traber um den Sieg und Prämien bis zu 2500 Euro. Prominente Pferdebesitzer, wie etwa Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, lassen ihre Tiere ebenfalls auf dem Meeresgrund antreten. Dort herrscht ein strenger Zeitplan, schließlich bleiben nur sechs Stunden Zeit, bis das Wasser wieder steigt und die Rennfläche dann überflutet sein wird.
Darum will die Rennleitung am Sonntag eigentlich auch pünktlich um 13.00 Uhr das erste Rennen freigeben. Doch der Favorit «Schattenspieler» hält anscheinend nichts von einem pünktlichen Beginn. Mit seiner Reiterin Angelique Ording geht der siebenjährige Wallach mehrmals durch und will einfach nicht zu den anderen Pferden an der Startlinie.
Doch dann kann Ording, die kurzfristig für die Vorjahressiegerin Jennifer Korbus als Reiterin eingesprungen ist, den temperamentvollen Wallach doch noch unter Kontrolle bringen. Am Ende siegt sie mit einem satten Vorsprung das Rennen und hat dann auch bei der Siegerehrung eine nüchterne Erklärung für das Durchgehen ihres Pferdes. Viele, die auf den Wallach gewettet hatten, seien dabei schon nervös geworden: «Der wollte halt einfach schon los.»
Schon ein kleiner Wetteinsatz kann sich lohnen
Für «Schattenspieler» gibt es für diejenigen, die gewettet haben, am Sonntag eine Quote von 3,6. Für zehn Euro Einsatz konnten sie somit 36 Euro gewinnen. Doch auch mit einem Euro kann man beim Duhner Wattrennen schon wetten und bei der richtigen Quote damit dann auch schon mal hohe Gewinne von mehreren Tausend Euro einstreichen. Insgesamt 120 000 Euro werden, nach Einschätzung der Veranstalter, in diesem Jahr durch Wetteinnahmen an Umsatz eingenommen. 10 000 Euro pro Rennen.
Für Anja Pielorz ist das Wetten am Sonntag nur zweitrangig. Die Urlauberin aus der Nähe von Wuppertal sieht sich das skurrile Pferderennen bereits zum dritten Mal an. «Aber von Pferdesport hab ich wirklich nicht viel Ahnung», räumt sie ein. Trotzdem fasziniert sie das Wattrennen so sehr, dass sie mittlerweile sogar ihren Urlaub an der Nordseeküste so plant, dass sie zu der Veranstaltung vor Ort ist. «Ich finde es einfach toll, zu sehen, wie Mensch und Tier hier zusammenarbeiten, um auf diesem ungewöhnlichen Untergrund zurechtzukommen.»
Wie schwierig es dabei ist, im Watt ein Pferd unter Kontrolle zu bringen, weiß Franziska Wachtmann. Sie nimmt zum sechsten Mal am Duhner Wattrennen teil, das nach Angaben des niedersächsischen Umweltministers Hans-Heinrich Sander (FDP) auch in den nächsten Jahren mit dem Welterbestatus vereinbar ist. Das Schwierige sei, so Wachtmann, dass der Untergrund nicht so fest ist, wie bei einer normalen Trab- oder Galopprennbahn.
Pferde, die dieses nicht gewöhnt seien, hätten es einfach schwerer. «Es spritzt halt schon gewaltig, wenn man da durch galoppiert.» Und obwohl ihre 13 Jahre alte Stute «Schnebbe» darin schon erfahren ist, schätzt Wachtmann die Chancen auf einen Sieg eher gering ein. «Ein dritter oder vierter Platz wird es aber wohl werden», erklärt sie. Ein guter Tipp, wie sich am Ende zeigt: Wachtmann wird bei ihrem Rennen am Sonntag Vierte. (dtn/ij/ddp)
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