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Elternhaus für Bildung wichtiger als Schulform

Laut den Ergebnissen einer neuen Studie schafft die Gesamtschule nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als das dreigliedrige Schulsystem, stattdessen ist die soziale Herkunft noch einflussreicher und ausschlaggebender für den Bildungserfolg der Kinder als bislang angenommen.

Helmut Fend, Züricher Erziehungswissenschaftler und Leiter der Langzeitstudie, erklärt, dass die Berufsausbildung (Lehre vs. Studium) und die spätere Berufsposition vor allem vom sozialen Status des Elternhauses abhänge, die besuchte Schulart aber so gut wie keinen Einfluss darauf habe. Mit anderen Worten, Kinder aus unterprivilegierten Schichten haben in einer Gesamtschule keine höhere Chance auf einen besseren Bildungsweg und Berufserfolg als in einer normalen Schule. Zwar könne die Gesamtschule die sozialen Unterschiede etwas reduzieren, doch nach und nach verliert sich der schulische Einfluss und der soziale Hintergrund wird bedeutsamer, was die Hoffnungen vieler Schulreformer enttäusche. Fend bezifferte die Chance eines Arbeiterkindes, einen Hochschulabschluss zu erreichen im Vergleich zu einem Kind aus höheren Bildungsschichten mit 1:12. Damit bestätigte diese Studie frühere Befunde, die zu ähnlichen Ergebnissen kam.

Um die Chancengleichheit für Kinder aus sozial schwachen Schichten zu erhöhen, müssen pragmatische Optionen gefunden werden, fordert Pädagogikprofessor Fend. Diese könnten z.B. in einer gezielten Frühförderung liegen. Aus den Ergebnissen der Studie schließt Fend darüber hinaus, dass ein durchlässiges Schulsystem von größter Wichtigkeit sei, d.h. es muss die Möglichkeit geben, sämtliche Bildungsabschlüsse zu erreichen, unabhängig vom Beginn der Schullaufbahn. Jemand der an der Haupt- oder Realschule begonnen hat, muss also später die Chance haben, z.B. auf einem Berufsbildenden Gymnasium das Abitur zu machen. Fend favorisiert generell ein zweigliedriges Schulsystem und plädiert für den Wegfall der Hauptschule, die mit der Realschule zusammengefasst werden und neben dem Gymnasium die beiden einzigen Schulformen darstellen soll. Dieser Forderung haben sich in den letzten Monaten immer mehr Bildungsforscher und -politiker angeschlossen.

Für die Studie wurden 1527 Personen im Alter von 12-35 Jahren im Großraum Frankfurt hinsichtlich ihrer Schullaufbahn und ihres Lebenslaufs untersucht.

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