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News vom 03. März 2009

Enthauptungen nun schon per Handy und E-Mail

Experten sehen Ausbreitung von Gewalt und Mobbing in neuen Medien mit Sorge

So sehr sich Raimund auch weiter versucht anzustrengen, ein erfolgreicher Sänger wird er wohl niemals werden. «Solch ein Riesenspast! Und was für ein Opfer!», so lautet hier ein beleidigendes Urteil von einem anonymen Internetnutzers über das Video von Raimund. Gezeigt wird seinen missglückten Auftritt bei der RTL-Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» («DSDS»). Mehr als 400 Mal existiert der Videoclip mit Hunderten von fiesen Kommentaren alleine auf der Videoplattform Myvideo.de. «Dieser arme Kerl wird von den anonymen Jugendlichen richtig fertiggemacht», erklärt Herr Friedrich Schindler, der Leiter der Internetseite Jugendschutz.net. Was dem Raimund hier wiederfahren ist, wird bezeichnet als Cyber-Mobbing und war neben Gewalt im Web 2.0 Thema der Jugendmedienschutztagung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) am Montag in Hannover.

Nach Angaben der Jugendschutzinitiative klicksafe.de ist Cyber-Mobbing, welches vor allem unter Schülern verbreitet ist, als besonders problematisch. So endeten die Schikanen nicht etwa nach dem Unterrichtsende, nein, sondern gingen theoretisch auch rund um die Uhr über das Internet oder über das Handy weiter, berichteten die Vertreter von klicksafe.de. Dieses Publikum ist unüberschaubar groß und die Mobber bleiben anonym. Hinzu kommt noch, dass die einmal reingestellten Daten hundertfach vervielfältigt werden könnten und eine Löschung auch aus diesem Grund schier unmöglich ist.

Die Sozialministerin von Niedersachsen Frau Mechthild Ross-Luttmann (CDU) drängte gerade weil der oft unbekannten Probleme auf eine Aufklärung von den Eltern, Lehrer und Schüler: «Wir werden das Internet sicherlich niemals ganz überprüfen können», erklärte die Sozialministerin bei der Tagung. Allerdings könnte durch eine Aufklärung aber auch eine Sensibilisierung im Vergleich zu den neuen Gefahren stattfinden.

Frau Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart hat sogar eine Studie über den Umgang von Jugendlichen mit gewalthaltigen Web-Inhalten und Cyber-Mobbing vorlegen können. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die bereits in dem Internet schon einmal eine unangenehme Erfahrung gemacht haben mussten, ist mit einem Drittel relativ hoch, hieß es in Frau Grimms Studie. Es seien vor allem die Mädchen sehr häufig Opfer von der sexuellen Belästigung in dem Netz. Bereits jedes fünfte Mädchen ist schon einmal in dem Internet sexuell belästigt worden.

Extreme Gewaltvideos sind bezüglich der Studie gleichermaßen ein Problem. Demnach haben bereits 43,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen Bilder und auch Videos von Hinrichtungen oder von einer Folter in dem Netz gesehen. Es berichtet ein Junge in dieser Studie beispielsweise von einem Video, bei dem einem Menschen bei dem lebendigem Leib der Kopf abgetrennt wird.

Der 17-jährigen Charlotte aus der Stadt Göttingen ist zum Glück noch nicht etwas Schlimmes in dem Internet zugestoßen. Jedoch habe ihr Freund sich aber einmal als Mädchen in einem Chat ausgegeben, erzählte sie auf der Tagung. Als erstes sei dies noch ganz lustig gewesen, «aber aus dem Spaß wurde dann irgendwann ernst», sagte die junge Schülerin. Die Männer in dem Chat hätten dann immer schärfere sexuelle Andeutung gemacht und nach der Webcam und nach ihrer Telefonnummer gefragt.

Der Jugendschützer Schindler verlangt aus diesen Gründen schärfere Kontrollmaßnahmen von den großen Web-2.0-Anbietern wie unter anderem schülerVZ, Facebook oder Youtube. Vielleicht mit der Hilfe eines sogenannten Unique Identifier, oder beispielsweise der Personalausweisnummer, so könnten hier anonyme Täter identifiziert werden, sagte er. Weiterhin forderte Herr Schindler diese Seitenbetreiber auf, konsequent gegen gewalttätige oder sexuelle Inhalte nun vorzugehen. Derzeit gebe es noch kein Filtersystem, dass so eine soziale Plattformen ausreichend auf die mögliche Gefahren durchforste, bemängelt der Jugendschutz-Experte. (ddp/shu)

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