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Erstmals Tote durch Cannabis-Konsum?

Erstmals Tote durch Cannabis-Konsum? © alextan8 - Fotolia.com

Aktuell hat die Debatte um die Legalisierung von Cannabis für die Seite der Befürworter einen neuen Dämpfer erhalten. Ihr Argument, dass Kiffen im Gegensatz zu Alkohol und harten Drogen bisher noch keine Todesopfer gefordert hat, scheint außer Kraft gesetzt.

Laut einer Studie, die in der britischen Fachzeitschrift “Forensic Science International” veröffentlicht wurde, ist es deutschen Forschern erstmals gelungen, den Tod zweier Männer im Alter von 23 und 28 Jahren mit dem Konsum von Cannabis in direkte Verbindung zu bringen. Rechtsmediziner von der Universität Düsseldorf hatten in den Jahren 2001 bis 2012 unter rund 5.500 Todesfällen 15 Fälle isoliert, die in Verdacht stehen, mit dem Konsum von Marihuana zusammenzuhängen. In den zwei genannten Fällen konnten alle möglichen Todesursachen ausgeschlossen werden, sodass der Tod auf eine akute Herz-Rhythmus-Störung zurückgeführt wird, die in Folge von Cannabis Konsum auftrat.

Die Veröffentlichung der Studie sorgte nun für ein großes Medienecho. Doch so eindeutig wie der Fall in Medien wie Bild.de oder Focus Online geschildert wird, ist er nicht. Denn die Todesursache bleibt weiterhin unbekannt, Cannabis wird nur als Möglichkeit in Betracht gezogen. Rechtsmediziner renommierter Institute wie Michael Tsokos von der Berliner Charité oder Frank Mußhoff vom Forensisch Toxikologischen Centrum in München sehen, wie Sie gegenüber zeit.de angeben, nach Sichtung der Studie keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Cannabis und dem Tod der beiden Männer. Zumindest im Fall des verstorbenen 23-Jährigen sind Vorerkrankungen am Herzen festgestellt worden und auch eine fundierte Begründung des zweiten Todesfalls mit dem Konsum von Cannabis ist nicht möglich. Dass Cannabis-Konsum bei Menschen mit Herzschäden oder Erkrankungen der Gefäße zu einem erhöhten Infarktrisiko führen kann, ist in der Wissenschaft hinlänglich bekannt und immer noch eine sehr seltene Todesursache. Auch die Autoren räumen ein, dass ihre Studie keinen eindeutigen Beweis für Cannabis als Ursache des Todes der beiden Männer liefert.

Die Studie wird in einer Zeit publiziert, in der der Ruf nach der Legalisierung von Cannabis immer lauter wird. Nach Uruguay und Colorado, wo es seit Jahresbeginn legal erworben werden kann, diskutiert auch die Schweiz, Cannabis in einem gewissen Rahmen zu legalisieren oder zumindest weitestgehend zu entkriminalisieren. In Deutschland wird laut über die Einführung von Coffeeshops in Berlin und Frankfurt/Main nachgedacht. Auch stehen der Studie der Düsseldorfer Rechtsmediziner eine Vielzahl an Studien gegenüber, die den medizinischen Nutzen der Pflanze weitaus höher einschätzen als ihren Schaden. Denn Hanf ist eine vielseitige Pflanze, die je nach Art des Saatguts und der Konzentration der Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) zur Verbesserung von Krankheitssymptomen führt, wenn nicht sogar bei der Heilung von Krankheiten in Zukunft eine große Rolle spielen kann.

Dennoch ist die Studie der Düsseldorfer Rechtsmediziner ein Fingerzeig auf die Gefahren, die der übermäßige Konsum von Marihuana birgt. Denn genauso wie die Studie nicht konkret nachweisen kann, dass Cannabis tödlich ist, kann die Möglichkeit, dass es eben doch zum Tode führen kann nicht ausgeschlossen werden.

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