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Ex-Infineon-Chef Schumacher bestreitet Korruption

Ex-Infineon-Chef Schumacher bestreitet Korruption © dpp

Prozessauftakt in München beginnt mit Erpressungsvorwürfen gegen wichtigen Zeugen

München. Der Angeklagte, der frühere Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher, ist zum Auftakt seines Schmiergeldprozesses in die Offensive gegangen. In seiner Aussage am Montag wies er die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe vehement zurück. «Ich war und bin nicht käuflich», äußerte der Schumacher vor dem Landgericht München I. «Ich habe niemals Bestechungsgelder entgegen genommen», beteuerte er weiter, «Keine Dollar, keine Schweizer Franken, keine Euro.»

Schumacher belastet ehemaligen Freund und Geschäftspartner Schneider

Gleichzeitig warf er dabei dem wichtigsten Belastungszeugen der Staatsanwaltschaft, seinem früheren «engsten Freund» und Geschäftspartner Udo Schneider, vor, ihn erpresst und später dann mit gerichtlichen Falschaussagen als «herzlosen Schurken gebrandmarkt» zu haben. Schneider habe darüber hinaus Geld dafür gefordert, dass er zugunsten Schumachers aussage. Das habe er allerdings abgelehnt, versicherte der Angeklagte.

Schneider war mit seiner Firma BF Consulting für das Sportsponsoring beim Halbleiterhersteller Infineon zuständig. 2006 gestand er in einem anderen Prozess, Schumacher mit einigen 100.000 Dollar bestochen zu haben, weil er «weiterhin Aufträge von Infineon erhalten wollte». Dafür wurde Schneider zu vier Jahren Haft verurteilt. Schumacher beteuerte jetzt: «Seine Aussagen sind wirklich falsch, durch und durch falsch.» Warum sich Schneider ohne Grund selbst belasten und sogar dafür ins Gefängnis gehen sollte, konnte Schumacher jedoch auch nicht hinreichend erklären.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schumacher vor, dass Schneider im Gegenzug für sein Wohlwollen Dutzende private Autorennen finanziert habe. Die Anklage lautet deshalb auf Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr in acht Fällen, versuchten Betrug, Untreue sowie Steuerhinterziehung. Die Rennkosten habe Schneider stets in bar ausgeglichen, «wobei die einzelnen Barbeträge nicht bestimmten Rechnungen oder Zahlungen entsprachen, sondern nur die Summe in etwa die verauslagten Rennkosten abdeckte», erklärte Staatsanwältin Ingrid Henn.

Schneider und Schumacher haben angeblich lediglich Auto-Leidenschaft geteilt

Schumacher gab indes zu, dass er Geschäfte mit Schneider gemacht habe, bei denen auch tatsächlich hohe Summen flossen. Jedoch habe das nichts mit Bestechung zu tun gehabt, sondern nur mit seiner Autoleidenschaft, schilderte der Angeklagte. Zusammen mit Schneider habe er Oldtimer gekauft und restaurieren lassen. Einmal habe Schneider ihm in einer Plastiktüte 150.000 Dollar für den Ankauf eines historischen Porsche übergeben. Das Eigentum an den Fahrzeugen hätten er und Schneider sich dann geteilt, gab Schumacher an. Mit Belegen und Quittungen für die zum Teil in bar abgewickelten Geschäfte hapert es allerdings, monierte auch der Vorsitzende Richter Peter Noll.

Von den genannten Vorwürfen der Staatsanwaltschaft gestand Schumacher lediglich ein, dass er einmal in seiner Zeit als Vorstandschef einen privaten Flug nach Saarbrücken zu Unrecht der Firma Infineon in Rechnung gestellt habe. Ihm sei der «Fehler in der Abrechnung schlichtweg nicht aufgefallen», so der Manager.

Schumacher bedauert sein damaliges Auftreten in der Öffentlichkeit

Gleichzeitig gab Schumacher zu, dass er durch sein öffentliches Verhalten in seiner Zeit bei Infineon «stark polarisiert» habe. Es gebe sicherlich einige «nicht unberechtigte Vorurteile gegen meine Person», äußerte Schumacher: «Ich kann auch die Menschen verstehen, die heute sagen: das ist auch einer von denen die den Hals nicht voll kriegen.» Beim Infineon-Börsengang im Jahr 2000 fuhr Schumacher so zum Beispiel im Rennanzug und einem Porsche vor.

Mitlerweile versichert Schumacher: «Natürlich würde ich heute vieles anders machen.» Der heute 51-Jährige erschien vor Gericht im dunklen Anzug. Er begründete sein früheres Auftreten, das er nun  selbst als «überheblich, selbstherrlich und diktatorisch» beschrieb, mit seinem damals noch geringen Lebensalter in Verbindung mit der großen Verantwortung und dem riesigen öffentlichen Interesse an ihm und Infineon während des Aktien-Hypes. Er habe dadurch wohl anscheinend «die Bodenhaftung» verloren, meinte der ehemalige Infineon-Vorstandsvorsitzende, der heute Chef eines chinesischen Halbleiterherstellers in Shanghai ist, als Wohnsitz aber immer noch Starnberg angibt.

Heute betrachtet es der Angeklagte als seinen «sicherlich dümmsten Fehler», sein persönliches Hobby Motorsport mit dem Sponsoring von Infineon verquickt zu haben. Zutiefst enttäuscht zeigte er sich dabei aber auch vom Verhalten seines früheren Kumpels Schneider. Sie hätten «Urlaube und Fastenkuren zusammen verbracht» und er habe Schneider sogar zunächst ein Darlehen über 400.000 Euro für seine Verteidigung gewährt. Warum Schneider ihn nun so belastete, sei ihm einfach «unbegreiflich». Es handle sich um «die bislang größte Enttäuschung meines Lebens», jammerte Schumacher weiter. (ij/ddp)

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