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Vom Intendanten des Hessischen Rundfunks (HR), Helmut Reitze, wurd der ehemaligen Sportchef des Senders Jürgen Emig vor Gericht schwer belastet. Emig hat für seine Machenschaften «ein beachtliches Ausmaß von Verschleierung und Vertuschung» genutzt, so Reitze am Mittwoch vor dem Frankfurter Landgericht. Reitze hat den Prozessbeteiligten auch erstmals konkrete Einblicke in die journalistischen Verfehlungen des ehemaligen Sportmoderators gegeben.
Emig hat sich in dem Prozess wegen Bestechlichkeit, Anstiftung zur Bestechung sowie Untreue und Betrug zu verantworten. Er soll im Zeitraum von Anfang 2000 bis Herbst 2004 insgesamt 615 000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Es geht dabei unter anderem um Zuschüsse von Sportveranstaltern, die eine Berichterstattung im Fernsehen beauftragten. Zudem soll Emig bei Fernsehübertragungen Sponsoren auffällig gut ins Bild gerückt und dafür auch die Hand aufgehalten haben.
Dabei soll der 63-Jährige mit einem «beachtlichen Energieaufwand außerordentlich clever» vorgegangen sein, so Reitze. Er räumte vor Gericht aber auch ein, dass amn die Unregelmäßigkeiten «ein paar Monate früher” hätte sehen können. Er selbst habe sich oft gefragt , ob er zu spät gehandelt hat. Einige redaktionelle Entscheidungen habe er zwar als «verdächtig» eingestuft, dahinter aber nicht ein solches Ausmaß der Verfehlungen erwartet.
So habe er sich darüber gewundert, dass es in der HR-Sportsendung nach einem spektakulären Interview von ARD-Moderator Waldemar Hartmann mit dem aus Hessen kommenden Rudi Völler keinerlei Nachberichterstattung gab, so der Intendant. Stattdessen berichtete der HR-Sportkalender von der IAA. Emig habe sich damit gegen die gesamte Sportredaktion durchgesetzt, da die von ihm initiierte Firma SMP sich ein Interview mit dem damaligen Opel-Chef mit 30 000 Euro bezahlen ließ. In einer anderen Angelegenheit habe ein Redakteur auf Anweisung von Emig bei einem fünfminütigen Bericht über ein Eishockeyspiel ein fast einminütiges Gewinnspiel anpreisen müssen.
Nach Emigs Entlassung wurden die Kontrollen verbessert, sagte Reitze. So werde auf finanzielle Zuschüsse von Sportveranstaltern komplett verzichtet, zudem untersuche nun eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft alle Buchungsvorgänge im HR regelmäßig auf ihre Rechtmäßigkeit.
Auf die im Prozess laut gewordenen Vorwürfe seitens der Staatsanwaltschaft und der Polizei, wonach der HR die Ermittlungen gegen Emig nicht ausreichend unterstützen würde, antwortete Reitze ausweichend. Er selbst hat demnach keine Anweisungen gegeben, die Arbeit der Ermittler zu behindern.
GEmäß dem früheren HR-Fernsehdirektor Hans-Werner Conrad ist Reitze der zweite Vorgesetzte, der zu Emig auf Distanz geht. Der Prozess wird am 9. September mit der Vernehmung von Reitzes Amtsvorgänger Klaus Berg wietergeführt. (ddp/fm)
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