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News vom 08. Februar 2010
Vor dem Traunsteiner Landgericht beginnt heute der Prozess wegen Geiselnahme gegen zwei Rentner-Ehepaar, die ihren Anlageberater entführt haben sollen.
Heute beginnt der Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht, in dem sich zwei Rentner-Ehepaare mit ihrem Komplizen wegen Geiselnahme verantworten müssen. Die zwei Ehepaare im Alter zwischen 64 und 79 Jahren sollen mit ihrem Komplizen im Juni 2009 ihren Anlageberater entführt und ihn in einem Keller in einem Haus am Chiemsee gefangen gehalten haben. Sie wollten den 56-jährigen so zur Rückzahlung von fast 2,5 Millionen Euro zwingen, die er in den USA in den Sand gesetzt hatte. Allerdings konnte ein Sondereinsatzkommando der Polizei das Opfer nach drei Tagen befreien. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage vorgesehen.
Die beiden Rentner-Ehepaare investierten über ihren Anlageberater zusammen fast 2,5 Millionen Euro in den USA in faule Immobilien. Als dieser ihnen dann weder die versprochene hohe Rendite, noch ihr Geld wieder herausrückte, reifte in den Köpfen der vierköpfigen Rentner-Gang ein Plan, wie sie sich die verlorenen Millionen gewaltsam zurückholen könnten. Zusammen mit dem früheren Kollegen des Opfers fuhr der Ex-Bauunternehmer am 16. Juni 2009 nach Speyer, wo der 56-jährige Anlageberater inzwischen wohnte. Die beiden passten ihn im Treppenhaus seiner Wohnung ab und drängten ihn in die Wohnung, wo er dann gefesselt und mit Klebeband geknebelt wurde. Anschließend verfrachten ihn die beiden dann in mehrere zusammengebaute Umzugskartons, den sie mit der Sackkarre in den Kofferraum des Autos transportieren. Das Opfer versucht bei einem kurzen Stopp zu entfliehen, wird jedoch regelrecht in den Kofferraum zurückgeprügelt, wobei der Anlageberater sich zwei Rippen bricht.
Nach nächtlicher Fahrt gelangen sie endlich am Chiemsee an, wo die Entführer ihr Opfer in ein vorbereitetes Verlies mit vergitterten, abgedunkelten und von außen mit Brettern verschlagenen Kellerfenster bringen. Hier legen sie ihm dann mit durchgeladener Pistole ein Papier zur Unterschrift vor, auf dem er die Rückzahlung der knapp 2,5 Millionen Euro zusichert. Dem Anlageberater gelingt es, auf einem Fax an einen Schweizer Treuhänder, eine verschlüsselte Botschaft, die das doppeldeutige Wort „Police“ enthält, zu senden. Aufgrund der Faxkennung kann die Polizei die Adresse ausfindig machen, wo das Sondereinsatzkommando der Polizei ihn endlich befreien konnte.
Alle fünf Beteiligten werden von der Staatsanwaltschaft wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Allerdings drohen dem mutmaßlichen Haupttäter bis zu 15 Jahren Haft. Bei Entlassung könnte er dann seinen 90. Geburtstag feiern.
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