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Genitalverstümmelung: 8 000 Mädchen täglich neu betroffen

Jeden Tag werden weltweit 8 000 Mädchen dem grausamen Ritualder sogenannten Beschneidung unterzogen. Die Praxis der Genitalverstümmelung ist zwar fast überall verboten, doch in mindestens 26 Ländern Afrikas und im Jemen nach wie vor verbreitet. Im Kampf gegen diese Kindesfolter – die nicht nur medizinisch gesehen absolut überflüssig ist und der leiblichen sowie der seelischen Gesundheit schadet – lassen sich laut Unicef nur langsam Erfolge verbuchen.

Demnach geht die Verbreitung des Ritus in Ländern wie Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Eritrea, Kenia, Niger, Nigeria, Senegal, Tansania und der Zentralafrikanischen Republik nur langsam zurück. Im Senegal haben 1 600 von 5 000 betroffenen Dörfern offiziell die Mädchenbeschneidung abgeschafft. Dies ist laut der Kinderschutzorganisation ein Erfolg einer breit angelegten Bildungsbewegung. Dabei organisieren beispielsweise Unicef-Partnerorganisationen wie Tostan (zu Deutsch: Aufbruch) Aufklärungskurse in den Dörfern.

Obwohl die Verstümmelung von Mädchen neben Guinea, Mali und Sudan auch in Ägypten besonders weit verbreitet ist, gibt es immerhin in diesem nordafrikanischen Land eine positive Tendenz zu verzeichnen. Hier ist die Zahl der Beschneidungen in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen erstmals deutlich auf unter 80 Prozent gesunken. Dem ägyptischen Frauenrat ist es zudem vor kurzem gelungen, Modellprojekte in 120 Dörfern und eine landesweite Notrufnummer gegen Mädchenbeschneidung durchzusetzen. Islamische Führer haben sich offen gegen Mädchenbeschneidung ausgesprochen und die Regierung unterstützt eine Kampagne zur Abschaffung des Brauchs.

Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung ist die Genitalverstümmelung kein religiös motivierter Akt, auch wenn es von radikal-religiösen Führern gern so dargestellt wird. Vielmehr ist es eine alte Tradition, die von Christen, Moslems und Angehörigen anderer Religionen praktiziert wird, obwohl keine der Weltreligionen sie vorschreibt. Die Befürworter glauben, dass sie den Mädchen etwas Gutes tun, da die Entstellung des Geschlechtsteils die Keuschheit und Jungfräulichkeit der Töchter gewahren soll, was ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt verbessert. Viele halten sich zudem für modern, da sie das Ritual nicht mehr von einer traditionellen Beschneiderin mit Scherben oder Rasierklingen durchführen lassen, sondern von einem Mediziner mit Skalpell.

Die Verstümmelung reicht je nach Wunsch der Eltern von der Abtrennung der Vorhaut der Klitoris über die Entfernung der Klitoris und der kleinen Schamlippen bis hin zur radikalen Entfernung der großen Schamlippen, wobei die zu große Öffnung der Vagina anschließend bis auf ein kleines Loch zugenäht wird. Spätestens wenn eine zugenähte Frau ein Kind bekommt, wird die Verunstaltung des Genitalbereiches zum lebensbedrohlichen Problem. Die Vagina muss für die Entbindung rechtzeitig aufgeschnitten werden. In den Ländern, in denen die Mädchenbeschneidung Tradition hat, werden Frauen nach der Entbindung wieder zugenäht. mp/kosi

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