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Nachterstedt/Concordia-See: Drei Vermisste nach Erdrutsch in Sachsen-Anhalt

Häuser in altem Tagebau in die Tiefe gestürzt – Eine Million Kubikmeter Erde abgerutscht. 64 Menschen evakuiert. 3 Personen werden vermisst.

Das Unglück hat die Menschen im Schlaf überrascht. Am frühen Samstagmorgen konnte man ein dumpfes Grollen in der Gemeinde Nachterstedt im Salzlandkreis vernehmen. In Sekundenschnelleist  ein Hunderte Meter breiter Hang am Rande eines ehemaligen Braunkohletagebaus eingestürzt. Ein Doppelhaus und die Hälfte eines weiteren Gebäudes sind bei dem Erdrutsch in die Tiefe gerissen worden. Vermisst werden derzeit drei Bewohner, für die es kaum Hoffnung gibt. Mit den Bergungsarbeiten konnte erst am Nachmittag begonnen werden.

Direkt am Rand der Abbruchstelle wird die Dimensionen des Unglücks deutlich: Etwa Hundert Meter geht es dort in die Tiefe. Nach Schätzungen der Behörden haben sich bei dem Unglück mehr als eine Million Kubikmeter Erdreich gelöst. Neben den Häusern wurde auch die dorthin führende Straße und ein Aussichtspunkt der Ferienregion zerstört. Auf dem Boden sind breite Risse zu erkennen.

«Das Ausmaß der Katastrophe ist unvorstellbar», so Ursula Rothe, Sprecherin des Salzlandkreises. Ein Doppelhaus aus den 30er-Jahren, das von zwei Ehepaaren bewohnt wurde, ist komplett verschwunden. Zwei Männer und eine Frau werden noch vermisst. Die Bewohner des teilweise weggerissenen Hauses sind in Spanien im Urlaub. Den 150 Rettungskräften bot sich ein schreckliches Bild. Ein Hausdach war noch aus dem Erdreich am Concordiasee, einem gefluteten Tagebauschacht, zu erkennen.

Wegen der Gefahr, dass es zu weiterer Abbrüche kommt, konnte anfangs nicht an der Unglücksstelle nach Überlebenden gesucht werden. Höhenrettungsspezialisten der Magdeburger Feuerwehr haben am Nachmittag mit ihrem Einsatz begonnen. Die Retter sollten mit dem Hubschrauber so nah wie möglich an die Trümmerreste gebracht werden, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Die Unglücksursache ist bislang noch unklar. Dass der starke Regen der letzten Nacht Auslöser gewesen sein könnte, glaubt kaum jemand der Experten. Für jegliche Prognosen ist es noch zu früh, machte Gerhard Jost vom Landesamt für Geologie und Bergwesen in Stassfurt deutlich. Das werde Zeit in Anspruch nehmen, so seine Einschätzung.

Ortsbürgermeister Siegfried Hampe schaut entsetzt auf die Unglücksstelle. «Unsere Träume von einem florierenden Naherholungsgebiet können wir erst einmal beerdigen», stellte er bestürzt fest. Seit 1994 wird der ehemalige Tagebau geflutet, die Region erhofft sich vom entstehenden See einen wirtschaftlichen Effekt. Auch eine Anlage für das Passagierschiff «Seelandperle», das in Zukunft in Nachterstedt gewartet werden sollte, ist in den Schlammmassen verschwunden.

65 Einwohner angrenzender Straßen wurden sofort evakuiert. Eine ältere Frau kam wegen eines Schocks in eine Klinik. In den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr haben die Betroffenen die Möglichkeit sich erst einmal zu erholen. Danach sind sie in der Sporthalle der Gemeinde untergebracht worden. 40 Menschen durften im Laufe des Tages wieder in ihre Häuser zurückkehren. Landrat Ulrich Gerster sagte zu, für die Betroffenen Ferienwohnungen in der Nähe bereitzustellen. (ddp/dtn/fm)

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