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News vom 14. Dezember 2009
© dppAcht Türken sowie ein Grieche wurden zwischen 2000 und 2006 mit ein und derselben Waffe erschossen
Hamburg/Kassel. In der größten ungeklärten Mordserie Deutschlands gibt es nun möglicherweise eine neue Spur. Bei den bereits seit neun Jahren laufenden Ermittlungen wegen der sogenannten Döner-Morde gehe die Ermittlungsgruppe «Ceska» im Bundeskriminalamt (BKA) derzeit dem Verdacht nach, dass die Tötung von bundesweit neun Männern im Zusammenhang mit Wettbetrügereien und verschobenen Fußballspielen stehen könnte, berichtete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Wochenende. Unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen wollte sich eine BKA-Sprecherin nicht zu diesem Medienbericht äußern.
Zwischen 2000 und 2006 waren ohne bislang erkennbares Motiv acht türkischstämmige Männer sowie ein Grieche erschossen aufgefunden worden. Eines der Opfer lebte und arbeitete in Kassel. Als einzige konkrete Verbindung zwischen diesen Taten galt bisher lediglich die Waffe: Alle Opfer starben durch Schüsse aus einer Pistole der tschechischen Marke Ceska, Typ 83, Kaliber 7,65 Millimeter.
Telefonüberwachung brachte Spur zu einem 42-jährigen türkischen Wettpaten
Die Polizei erfuhr laut dem Magazin unlängst bei einer Telefonüberwachung von einem Mord in der Türkei, für den ein mutmaßlicher 42-jähriger türkischer Wettpate als Auftraggeber genannt wurde. Zwischen diesem Verbrechen und den neun «Döner-Morden» besteht nach neuesten Erkenntnissen der Polizei eine Verbindung. «Der 42-Jährige spielt im Rahmen dieses Verfahrens eine wesentliche Rolle», bestätigte Thomas Koch vom Oberlandesgericht Nürnberg am Wochenende. Wegen der laufenden Ermittlungen könne er sich allerdings «zu Details nicht äußern».
Mit der Spur ins Wettmilieu könnte sich zum ersten Mal auch ein Motiv für die rätselhafte Mordserie ergeben, die bundesweit mehrere Sonderkommissionen der Polizei beschäftigt. Die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft zum Wettskandal hätten nun ergeben, dass die Verdächtigen nicht nur Fußballspiele verschoben und bei illegalen Glücksspielen betrogen haben sollen. Säumigen Wettschuldnern sollen sie darüber hinaus auch mit hoher Brutalität entgegengetreten sein.
Der Anwalt des 42-jährigen Türken erklärte dem «Spiegel» gegenüber, sein Mandant habe mit den Tötungsdelikten nichts zu tun. Die Vorwürfe basierten hingegen auf längst entkräfteten Verleumdungen.
Die meisten Opfer hatten Geldsorgen
Die meisten Opfer der «Döner-Morde» hatten nach Angaben der Ermittler als Kleingewerbetreibende Geldsorgen. «Die Wettpaten hatten eine Menge Schwarzgeld, wussten kaum wohin damit», zitierte dabei die «Bild am Sonntag» einen Wettinsider aus dem Raum Osnabrück. «Da lag es doch nahe, Landsleuten Geld zu leihen, um die Beträge später mit horrenden Zinsen zurückzufordern.» Angeblich habe einer der Verdächtigen sogar mit Foltermethoden geprahlt, mit denen er seine Schulden eintreibe.
Erstes Opfer dieser mysteriösen Mordserie war im September 2000 ein türkischer Blumenhändler aus dem hessischen Schlüchtern, der an seinem mobilen Blumenstand in Nürnberg erschossen wurde. Im Jahr 2001 ereignete sich der nächste Anschlag in Nürnberg. Noch im selben Jahr folgten Morde in Hamburg und München. 2004 war dann Rostock Tatort. Später ereigneten sich noch Taten in Dortmund und Kassel.
Bei der Suche nach Ermittlungsansätzen lag den Fahndern auch die Beschreibung eines Mannes vor, der in einem Steinbruch bei Rosenheim mit einer schallgedämpften Pistole Schießübungen gemacht und dabei eine Plastiktüte verwendet hatte. Exakt auf diese Weise hatte der Täter auch seine Opfer getötet, um an den Tatorten keine Patronenhülsen zurückzulassen. (ij/ddp)
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