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Prozessauftakt gegen mutmaßlichen Kinderschänder Oliver Shanti

Prozessauftakt gegen mutmaßlichen Kinderschänder Oliver Shanti © dpp

Sechsjährige Fahndung führte 2008 zum Erfolg

München. Ab kommenden Mittwoch kommt es im jahrelangen Rechtsstreit um den Esoterik-Musiker Oliver Shanti zum Prozess. Ab dann muss sich der 61-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Ulrich S. heißt, vor dem Münchner Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder in 314 Fällen verantworten. Die Taten liegen dabei zum Teil schon 24 Jahre zurück. Seit dem Jahr 2002 wurde international nach Shanti gefahndet, doch bis zum Jahr 2008 gelang es ihm, unterzutauchen. Erst im letzten Jahr wurde er in Portugal festgenommen und anschließend nach Deutschland ausgeliefert.

Shanti war der Anführer einer hierarchischen Sekte, die sich in den 70er Jahren gebildet hatte. Die Mitglieder der Gruppierung bewohnten von Zeit zu Zeit einen Bauernhof im niederbayerischen Viechtach sowie eine Wohnung in München, bevor Shanti dann Mitte der 80er Jahre eine Finca in Portugal bezog. Sowohl in München als auch in Portugal hielten sich einige Kinder seiner Anhänger auf. Shanti stand dabei in enger Beziehung zu den oft noch Minderjährigen.

Dem gebürtigen Hamburger wird von den Ermitterln vorgeworfen, diese Stellung ausgenutzt zu haben, um sich den Kindern unsittlich zu nähern. Zwischen 1985 und 1998 soll Shanti sechs Kinder sexuell missbraucht haben, unter ihnen vier Jungen und zwei Mädchen. Insgesamt werden ihm 314 Fälle zur Last gelegt. Neben Küssen, unsittlichen Berührungen und Oralverkehr soll es in einem Fall dabei auch zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. Das könnte allerdings nur die Spitze des Eisbergs sein: In einem Interview erklärte Oberstaatsanwalt Anton Winkler nach der Anklageerhebung im April: «Wir fürchten, dass es noch mehr Opfer gibt, die aber nicht bereit waren, sich zu melden.»

Im Jahr 2002 gab ein Opfer den Ermittlern einen Hinweis auf Shantis Machenschaften. Damit kamen die Fahnder dann auf die Spur des Esoterik-Musikers. Über mehrere Jahre fahndeten sie per Haftbefehl international nach Shanti. Mehrmals gelang es diesem allerdings, sich dem Zugriff zu entziehen. Erst Ende Juni 2008 wurde er von einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Lissabon erkannt, als Shianti einen neuen Reisepass beantragen wollte. Offensichtlich wollte er zur Behandlung seiner Blutkrebserkrankung nach Brasilien reisen. Beim Verlassen des Gebäudes wurde Shanti dann festgenommen. Die portugiesischen Behörden lieferten ihn schnell nach Deutschland aus. Seit dem 4. Juli 2008 befindet sich Shanti nun in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.

Auf Nachfrage wollten sich die beiden Pflichtverteidiger von Shianti, Thomas Novak und Sebastian Bartels, vor Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen äußern. Bartels stellte aber in Aussicht, dass Shanti während des Prozesses eine Einlassung abgeben werde. Für die Verhandlung sind bis 24. September zunächst einmal acht Prozesstage anberaumt. Dabei soll nach Vorstellung der Staatsanwaltschaft auch geprüft werden, ob Sicherungsverwahrung anzuordnen ist. (ij/ddp)

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