News vom 03.01.2017

Sponsoring in der heißesten dritten Liga der Welt: Wettanbieter riechen Lunte

Sponsoring in der heißesten dritten Liga der Welt: Wettanbieter riechen Lunte Online-Wetten und Fußball – bei vielen Fans läuft das gleichzeitig. Foto: cunaplus – 477107059 / Shutterstock.com

Die Dritte Fußball-Liga ist sehr attraktiv für Sponsoren. Immerhin spielen einige Traditionsklubs mit breiter Fanbase mit. Die Liga ist umsatzstärker als alle ersten Ligen anderer Sportarten in Deutschland. Das ruft Sponsoren auf den Plan. Bei gleich fünf Drittligisten steigt mit Sunmaker jetzt ein Unternehmen aus der Sportwettenbranche ein, die sich auch in Deutschland immer mehr für den Fußball interessiert.

Seit der Saison 2008/09 gibt es in Deutschland die eingleisige Dritte Fußball-Liga. Seitdem begeistert die Liga vor allem die Anhänger von etwas abgerutschten Traditionsvereinen durch attraktive Paarungen und guten, spannenden Fußball. Auch marketingtechnisch ist das Konzept ein voller Erfolg: Seit ihrer ersten Saison ist die Dritte Liga umsatzstärker als die ersten Ligen aller anderen Sportarten in Deutschland!

Kein Wunder also, dass Sponsoren hier ihre Chance zum Einstieg ins Sportmarketing-Business sehen. Zuletzt machte der Online-Casino und Sportwettenanbieter Sunmaker auf sich aufmerksam, als er zu Beginn der Saison 2016/17 gleich bei fünf Drittliga-Teams einstieg. Und es waren nicht irgendwelche, sondern einige der prominentesten Namen, die sich derzeit in der dritten deutschen Profiliga bewegen. Der FC Hansa Rostock, der jahrelang in der Bundesliga vertreten war, der traditionsreiche Chemnitzer FC, der SC Paderborn, der noch vor zwei Jahren im Fußball-Oberhaus die Fußballschuhe schnürte, der jahrelange Zweitligist VfL Osnabrück und, last but not least, Bundesliga-Gründungsmitglied SC Preußen Münster.

Erst Bandenwerbung, dann mehr – Sportwettenanbieter will sich im Fußball positionieren

Das Glücksspiel-Unternehmen tritt zunächst einmal als Bandensponsor auf und zahlt bei den fünf Vereinen dafür insgesamt einen Betrag im niedrigen sechsstelligen Bereich. Vermittelt haben die Deals die Sportmarketing-Experten von infront. Für Sunmaker soll das Ganze allerdings nur der Anfang sein. Gegenüber dem Sportbusiness-Magazin Sponsors erklärte ein Unternehmenssprecher, dass sowohl das Engagement bei den Drittligaklubs in nächster Zeit kontinuierlich ausgebaut werden soll, als auch der Einstieg ins Sponsoring in höheren Ligen und anderen Sportarten angestrebt werden. Insgesamt spricht man bei Sunmaker von Investitionen ins Sportsponsoring im siebenstelligen Bereich.

Das Unternehmen will sich für die im Raum stehende Aufhebung der Konzessionsbeschränkung für Sportwettenanbieter positionieren und diese zu nutzen. „Deshalb ist es uns wichtig, uns in der öffentlichen Kommunikation vorausschauender aufzustellen.“ Gerade der Fußball ist ein attraktiver Partner für die Sportwettenanbieter bei diesem Vorhaben. „Die Verbindung aus Fußball und Glücksspiel-Anbietern ergibt für uns durchaus Sinn“, sagt Branchenfachmann Peter Franzmüller von Online Casino Vergleich „Wetten gehört für viele Fans zum Sport dazu wie die Butter auf’s Brot.“

Tipico, Bet-at-home – viele Glücksspielunternehmen steigen ins Fußballgeschäft ein

Hertha BSC wird vom Wettanbieter Bet-at-home gesponsert

Hertha BSC profitiert von allen deutschen Vereinen am Meisten vom Glücksspiel: Bet-at-home zahlt 6 Millionen pro Saison. Foto: Sergey Kohl – 147629120 / Shutterstock.com

Diesen Zusammenhang haben schon viele andere Glücksspielkonzerne. Bet-at-home.com etwa ist vor der Saison als Hauptsponsor beim Bundesligisten Hertha BSC eingestiegen. Die Berliner erhalten drei Jahre lang rund sechs Millionen Euro pro Jahr und sind damit einer der Erstligaklubs, der seine Brust am teuersten verkauft.

Diese Sportwettenanbieter sind in Deutschland im Sponsoring aktiv

  • Tipico (Partner: FC Bayern, Oliver Kahn, HSV, SC Freiburg u.a.)
  • Bet-at-home (Partner: Herha BSC/Hauptsponsor, FC Schalke 04)
  • Tiplinx (Partner: 1860 München)
  • Betway (Partner: Union Berlin)
  • Sunmaker (Partner: Hansa Rostock, Preußen Münster u.a.)
  • U.v.w.

Ein weiteres Beispiel für Wettsponsoring im Fußball ist der Wettanbieter tipico. Das Unternehmen fällt insbesondere durch seine Fernsehwerbung auf, die in Fußballübertragungen meist prominent platziert wird. Mit dem FC Bayern konnte tipico sich 2015 auch gleich den prominentesten der deutschen Fußballvereine angeln und macht als „Platin-Partner“ der Münchener auch Werbung mit den Gesichtern der Bayern-Stars.

Zuvor war tipico bereits bei 1899 Hoffenheim und Werder Bremen im Sponsoring aktiv. In Österreich kaufte der Konzern die Namensrechte an der höchsten Spielklasse – diese nennt sich jetzt „Tipico Bundesliga“. Die Liste an Wettanbietern, die sich im Fußball engagieren, könnte man unendlich fortführen.

Ein weiteres prominentes Beispiel für Fußballsponsoring im großen Stil ist der Konzern Bwin. Die Österreicher haben vor allem im Jahr 2006 für bundesweites Aufsehen gesorgt, als sie als Trikotsponsor des SV Werder Bremen auftraten und die Trikotwerbung von verschiedenen Gerichten untersagt wurde. So war Werder teilweise gezwungen, mit blanker Brust aufzulaufen. Um das Verbot zu umgehen, wurde dann bald der Schriftzug „we win!“ auf das grün-weiße Jersey gedruckt.

Konzessionsverfahren für private Wettanbieter hängt noch immer – EU macht Druck!

Mittlerweile lassen die Behörden Wettwerbung meist durchgehen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Bundesländer schon wiederholt von der EU-Kommission aufgefordert worden sind, das staatliche Wettmonopol zu kippen und auch privaten Wettbewerbern Konzessionen zu erteilen. Das Lizenzvergabeverfahren entwickelte sich seit 2012 zwar zu einer mittelschweren Katastrophe und Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Böse Zungen unken bereits, dass das Konzessionsverfahren von den Ländern absichtlich verlangsamt wird. Doch wie dem auch sei – um weiteren Rügen vonseiten der Europäischen Union zu entgehen, scheinen die Länder und Gerichte Milde walten zu lassen und bei den Werbevorhaben der Unternehmen hier und da im Zweifelsfall ein Auge zuzudrücken.

Im Mutterland des Wettens, England, wird mit dem ganzen Thema deutlich offener umgegangen. Wetten auf Sportereignisse hat nicht zuletzt wegen der großen Bedeutung der Pferderennen eine große Tradition. Mit Ladbrokes oder William Hill sind einige der ältesten und traditionsreichsten Wettanbieter in Großbritannien ansässig.

Real Madrids Kapitän Sergio Ramos trägt ein Trikot mit dem Schriftzug von Bwin. Title-Tag: Bwin ist ein wichtiger Sponsor für Real Madrid und schon seit vielen Jahren auf d

Bwin ist schon länger auf den Trikots von Real Madrid zu finden. Foto: Natursports – 83031427 / Shutterstock.com

Die verrücktesten Wetten gibt es in England – im Mutterland des Wettens haben Sportwetten Tradition
So verwundert es auch wenig, dass der Wettanbieter betway der Hauptsponsor des Londoner Traditionsvereins West Ham United ist. Schließlich wetten die Engländer auf alles Mögliche – kaum ein Land ist so wettverrückt wie England. Es gibt nichts, worauf man nicht wetten kann. Sei es der Austritt Großbritanniens aus der EU, der Vorname des nächsten Kindes von William und Kate oder die Farbe des Hutes der Queen während der Hochzeitsfeier ihres Enkels.

Die derzeit in London stattfindende Darts-WM wird selbstverständlich auch vom traditionsreichen Anbieter William Hill gesponsert. Ein solches Ereignis ist natürlich ein Fest für alle Freunde des Sportwettens.

Von der Wettverrücktheit der Engländer ist Deutschland sicher noch weit entfernt, aber auch hierzulande sind insbesondere Sportwetten auf dem Vormarsch. Das Vorhaben von Sunmaker – und sicher bald auch noch weiteren Sportwettenanbietern – die Dritte Liga zu erobern, ist strategisch sicherlich ein cleverer Schritt zu mehr Marktpräsenz im Fußball.

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