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Wietze: Geplanter Schlachthof in Wietze spaltet die Bewohner

Wietze: Geplanter Schlachthof in Wietze spaltet die Bewohner © dpp

Arbeitsplätze contra Natur

Wietze. Voller Skepsis blickt Astrid Meinheit auf die Arbeiter, die auf einem Feld am westlichen Ortsausgang von Wietze Bodenproben entnehmen. Dort wo momentan noch Birken und Eichen die Felder und Wiesen säumen, soll es demnächst vorbei sein mit der Idylle. In der Gemeinde im Landkreis Celle plant die Firma Emsland Frischgeflügel den Bau eines Geflügelschlachthofes. Neben der Euphorie über Arbeitsplätze regt sich aber auch Widerstand. Meinheit ist Mitbegründerin einer Bürgerinitiative, die den geplanten Bau noch verhindern will.

Die Firma Emsland Frischgeflügel plant auf einer Fläche von 21 Hektar einen Schlachthof zu bauen, der in der Woche 500.000 Hühner zu Minutenschnitzeln, Geschnetzeltem und Hähnchenschenkeln verarbeitet. Der Betrieb, der bis Frühjahr 2011 entstehen soll, soll zunächst erst einmal 250 Arbeitsplätze schaffen, mit einer Aufstockungsoption auf 1.000 Mitarbeiter. In einem Umkreis von gut 100 Kilometern sollen in den kommenden Jahren etwa 150 Mastbetriebe entstehen, die den Schlachthof dann beliefern.

Gegnerin hat sich umfassend informiert

«Die Ansiedlung wäre eine Katastrophe für die ganze Region», entgegnet Meinheit entschieden. «Wir wollen kein zweites Emsland werden.» Die engagierte Wietzerin hat gut zwei Wochen umfassend recherchiert und sich informiert. «Ich bin zu dem Entschluss gekommen, mich mit einem klaren Nein gegen den Schlachthof auszusprechen.»

»Die Landschaft wird dadurch unwiederbringlich zerstört.« Darüber hinaus ist die Tierhaltung in den Mastbetrieben ihrer Ansicht nach reine  »legalisierte Tierquälerei«. Die Tiere stünden bis zu 42 Tage auf demselben Stroh – ausgemistet würde während einer Mastphase überhaupt nicht. Die Arbeitsplätze werden Meinheits Meinung nach als vielmehr »Totschlagargument« genutzt.

Bürgermeister hofft indes auf Arbeitsplätze und Steuereinnahmen

Bürgermeister Wolfgang Klußmann (CDU) dagegen erhofft sich durch den Bau insbesondere Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen für die strukturschwache Gemeinde. »Durch den Schlachthof können Menschen wieder in Lohn und Arbeit kommen, die sonst gar keine Perspektive mehr haben«, entgegnet Klußmann. Für die Landwirte sei die geplante Niederlassung des emsländischen Unternehmens ebenfalls »eine große Chance«. Für ihn ist das Vorhaben des Unternehmens deshalb ein »Glücksfall«. Auch wenn er es verstehen könne, dass einige Menschen ethische Probleme mit der Art der Tierhaltung haben, fügt er hinzu.

Die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft warnt unterdessen vor einer schlechten Rentabilität der Mastbetriebe. Sprecher Eckehard Niemann kritisiert, dass die Landwirte vollständig von den Schlachtereien abhängig seien. Diese bestimmten sowohl den Preis für das Futtermittel, als auch den Preis für die gemästeten Hähnchen. Die Baukosten für einen Stall mit rund 40.000 Tieren liegen bei etwa 500.000 Euro. Das Risiko bei rückläufiger Nachfrage nach Geflügel tragen allein die Landwirte.

Rationale Gründe kann Niemann bei den Bauern, die sich auf einen Mastbetrieb einlassen, jedenfalls nicht sehen: »Das ist die pure Verzweiflung daran, dass alle Preise im Moment im Keller sind. Getreide, Kartoffeln und Milch sowieso. Das ist der letzte Strohhalm nach dem sie greifen.« Die momentanen Mäster sähen die Ausweitung ebenfalls als bedenklich an und fürchteten einen Preiskampf.

Landwirtschaftskammer Niedersachsen sieht Vorhaben auch skeptisch

Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen warnt indes davor, dass die Masttierhaltung kein Allheilmittel sei. Nur mit einem einwandfrei organisierten Management und guter Produktionstechnik könne am Ende auch ein Gewinn erzielt werden.

Astrid Meinheit jedenfalls will gemeinsam mit den rund 100 Mitgliedern der Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren gegen den Schlachthof initiieren. «Wir werden hier vor vollendete Tatsachen gestellt», das dürfe nicht sein. Sie selbst sei vor Jahren nach Wietze gezogen, weil sie die Landschaft des Aller-Leine-Tals als besonders lebenswert empfand. Dass diese Landschaft nun zerstört werden könnte, bereite ihr regelrecht Bauchschmerzen, meint sie traurig. (ij/ddp)

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