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Wissenslücken der Schüler über DDR erschreckend

Der 18-jährige Gymnasiast Lars meint, dass er sich mit der DDR außerordentlich gut auskennt.  Der Jugendliche von der Oranienburger Torhorstschule sagte: «Das war ein sozialistisches Land, das seine Bewohner überwacht hat. Es gab aber auch gute Seiten wie sichere Arbeitsplätze». Auch der Staatschef Erich Honecker ist ihm ein Begriff: «Der stand bis zum Schluss auf der Tribüne, hat gewunken und seine Propaganda gemacht», sagt Lars. Sein Wissen erklärt er mit der eigenen Familiengeschichte. «Mein Vater saß wegen Republikflucht im DDR-Gefängnis. Der erzählt viel und ist bis heute schlecht darauf zu sprechen.»

Lars ist mit seinen Kenntnissen für Brandenburger Verhältnisse offenbar überdurchschnittlich gebildet. Nach dem Ergebnis einer Umfrage der Freien Universität Berlin wissen Brandenburger Gymnasiasten ansonsten weniger über die DDR als Hauptschüler aus Bayern. Lars´ Geschichtslehrerin Dagmar Jurat pflichtet der Studie bei. Sie sagt: «Die Wissenslücken sind erschreckend. Obwohl das alles durchgenommen wird, bleibt nichts bei den Schülern hängen». Dabei verweist sie auf das Ergebnis eigener Tests.

Auch auf politischer Ebene erhitzt das Thema in der Zwischenzeit die Gemüter. Der Vorwurf von Koalitionspartner CDU und den Bündnisgrünen an Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) lautet, dass der Brandenburger Lehrplan die DDR nur unzureichend berücksichtige. «Der Geschichtsunterricht habe eine geringe Prägewirkung» setzte Rupprecht dagegen.

Ein Brief der 18-jährigen Schülerin Amei Stock aus Woltersdorf brachte jetzt neuen Zündstoff in die Diskussion. Die in Hessen geborene Gymnasiastin verschickte ein Schreiben an Rupprecht, mehrere Landtagsmitglieder und Zeitungsredaktionen. Darin behauptet diese, in der Schule noch nie etwas von der DDR gehört zu haben. «Den Nationalsozialismus hatten wir jetzt vier Mal dran, die DDR noch nie.» Das, was sie von der Diktatur östlich des Eisernen Vorhangs wisse, habe sie ausschließlich von ihrem Vater, einem überzeugten Systemgegner der DDR, erfahren.  «In der Schule wird das Unrecht nicht thematisiert. So, als gäbe es keine Stasi und Unterdrückung.»

Nach Ansicht von Amei Stock trägt der Brandenburger Lehrplan dafür die Schuld. Sie moniert weiter, dass anstatt das Thema der DDR und seiner Unrechtsgeschichte stärker zu berücksichtigen, man «die politische Bildung lieber dem Kino mit Spaßfilmen wie ´Good Bye Lenin´ und ´Sonnenallee´ überlasse. »Damit fängt eine Geschichtsverklärung an. Und die ist besonders gefährlich bei denen, die kein Abitur machen.«

Der Minister nimmt die Thesen Stocks ernst. Ihr Vater ist ein erfolgreicher CDU-Kommunalpolitiker in Woltersdorf ist. Zurzeit reist der ehemalige Geschichtslehrer Rupprecht mit Zeitzeugen durch Brandenburger Schulen und diskutiert. Das Thema DDR im Rahmenlehrplan DDR ist ausreichend berücksichtigt, findet Geschichtslehrerin Dagmar Jurat. «Die DDR wird in der 10. Klasse behandelt und für Gymnasiasten wird das Thema in der 13. Klasse nochmals vertieft.»

Die Lehrerin mahnt auch eine differenzierte Analyse der Geschichtsunwissenheit an. Sie sagt: »Das zieht sich wie ein roter Faden durch alle behandelten Epochen. Man kann genauso gut fragen, wer Albert Einstein oder Helmut Kohl sind, und bekommt keine Antwort«. Die Probe auf dem Schulhof der Torhorst bestätigt die Lehrerin. Viele erwidern die Frage nach dem Einheitskanzler mit ungläubigen Blicken. Sogar der eigentlich geschichtsversierte Lars kann sich nur noch an die äußere Form Kohls erinnern: «Das war doch dieser dicke Mann, oder?»

(ddp/ij)

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